Abschied vom Monolithen – willkommen im Fragment

W. Eric Martin vor lila Hintergrund, oben links das BGG Logo, rechts seine neue Seite Board Game Beat Lesezeit: 2 Minuten

Eine Meldung wie ein Donnerschlag. W. Eric Martin verlässt BoardGameGeek.

Fünfzehn Jahre, rund sechstausend Posts, unzählige Morgenroutinen von Brettspielfans weltweit – beendet mit einem ruhigen „Goodbye“.

Wer regelmäßig auf BGG unterwegs war, kennt ihn: Eric war nicht irgendein ein News-Schreiber, er war DIE Konstante. Während Publisher kamen und gingen, Hypes aufflammten und Kickstarter explodierten, lieferte er zuverlässig Kontext. Nicht laut, nicht clickbaitig – sondern sachlich, neugierig, manchmal trocken, oft präzise und immer mit einem Augenzwinkern.

Und jetzt? Neustart. Mit Board Game Beat.

Keine große Plattform mehr im Rücken, kein zentraler News-Hub. Stattdessen: eine eigene Seite, eine eigene Stimme, eigene Themen. Monatsdossiers. Essays. Previews. Audio. Video. Und das dann auch noch ohne Social Media – so zumindest sein aktueller Post.

Das ist mehr als ein persönlicher Karriereschritt – es ist ein aktuelles Symptom unserer Szene.

Vom Sammelpunkt zur Splitterlandschaft

Früher war vieles einfach: Man ging auf BoardGameGeek, las die News, diskutierte im Forum. Ein Ort, viele Stimmen.

Heute zerfällt Brettspiel-Content in Podcasts, Newsletter, Substacks, Discords, YouTube-Kanäle und eben auch unabhängige Journalistenseiten. Jeder baut sein eigenes kleines Lagerfeuer. Reichweite wird fragmentiert, Aufmerksamkeit verteilt, die Community zerfasert.

Eric geht diesen Weg bewusst. Nicht aus Trotz, sondern aus Überzeugung: weg vom Plattform-Kompromiss, hin zum kuratierten Journalismus.

Das ist mutig – und riskant. Denn unabhängiger Content bedeutet auch: Abhängigkeit von einer Community, die bereit ist, Zeit (und auch Geld) zu investieren. Keine Algorithmen, die einen tragen. Kein riesiger Traffic-Staubsauger. Nur er und seine Inhalte.

Was bleibt

BoardGameGeek verliert eine prägende Stimme. Die Szene gewinnt eine neue Plattform.

Vielleicht ist das die Zukunft unseres Hobbys: weniger zentrale Leuchttürme, mehr spezialisierte Inseln. Weniger „alle hier“, mehr „finde deine Leute“. Für Leser anstrengender. Für Inhalte vielleicht ehrlicher. Wo ist eigentlich RSS geblieben? Vielleicht wird es Zeit den RSS Reader wieder anzuwerfen.

W. Eric Martin hört nicht auf, über Spiele zu schreiben. Er schreibt nur anders weiter.

Und wir? Wir müssen lernen, wieder gezielter zu lesen.


HIER geht es zu Board Game Beat.

HIER findet ihr den Artikel auf Boardgamegeek.com

Februar 2nd, 2026 by