„…but Rome is Rome.“ – City of Rome

Rezension City of Rome Abacus Spiele Wuerfelmagier Würfelmagier Lesezeit: 5 Minuten

City of Rome (Abacus Spiele, 2018)


Puh, wieder ein Städtename. Karten auslegen und Stadt(viertel) bauen bzw. planen. Alles schon dagewesen. Trotzdem war ich neugierig auf City of Rome, ist Abacus doch eher für familientauglicheres Spielmaterial in kleineren Schachteln gut und weniger für Kennerspiele. Nachdem wir also in Carpe Diem bereits ein römisches Viertel gebaut haben, nichts wie reingestürzt in den römischen Bauwahn.


Wie City of Rome gespielt wird

City of Rome ist eine Verbindung aus einem Aktionswahl-Mechanismus, einem Drafting und Plättchenlegen. Das Ganze dann in römischen Stadtvierteln.

4 x 4 – größer darf das Raster Roms nicht werden…

Zu Beginn jeder Runde wählt man in Spielreihenfolge aus, wo auf dem Aktionswahl-Streifen der eigene Baumeister paltziert werden soll. Setzt man ihn auf den ersten Platz, ist man garantiert als erster dran bei der folgenden Kartenauswahl. ABER man hat auch nur einen Aktions- oder Baupunkt. Denn je weiter hinten man sich hinsetzt, desto mehr Aktionen kann man machen. Die Aktionen auf den Plätzen davor zählen ebenso für die später platzierten Spieler. Es gilt also zunächst zu entscheiden, ob man früh wählen möchte oder viele Aktions- oder Baupunkte benötigt.

Als nächstes folgt die Auswahl der Karten aus der Auslage. Das kostet erstmal nichts, aber wer Zugriff auf eine bestimmte Karte benötigt, der sollte möglichst weit vorne sitzen in der Zugreihefolge – ist ja logisch irgendwie.

Rezension Wuerfelmagier Würfelmagier City of Rome Abacus Spiele
Es gilt klug zu wählen, auf welche Position man sich setzt…

Nun machen die Spieler in der festgelegten Reihenfolge ihre Spielzüge. Man darf jeweils einmal Bauen und einmal produzieren. Dazu nutzt man einerseits die kostenlosen Baupunkte vom Aktionswahl-Streifen oder man kauft sie sich hinzu. Ja, im alten Rom waren sogar die Aktionspunkte käuflich. 😉

Baut man mit Baupunkten, legt man eine seiner Handkarten in sein Raster aus 4×4 Karten. Größer darf es nicht werden! Die ausgelegten Gebäude haben dann natürlich entsprechende Effekte, die teilweise abhängig von den umliegenden Gebäuden sind.

Am einfachsten sind die Produktionsgebäude. Diese liefern einfach das was auf ihnen abgebildet ist.
Bei den Wohnhäusern möchte man möglichst viele Plättchen gleichen Wertes zusammenbauen und an jedem solcher Wohngebiete möglichst viele unterschiedliche Arten von öffentlichen Gebäuden angrenzen lassen. Diese dienen nämlich als Multiplikator für die Summe der Punkte eines Wohngebietes. Beispiel: Ich habe drei 3er Wohngebäude zu einem Wohngebiet zusammengebaut, an das drei unterschiedliche öffentliche Gebäude (maßgeblich ist die Farbe, nicht der Typ des Gebäudes) angrenzen, dann erhalte ich am Ende dafür 27 Punkte, 3+3+3 für das Wohngebiet multipliziert mit 3. Dazu gibt es noch die Aquädukte, die dann Sudoku-esque nicht in einer Reihe/Spalte mit einem anderen Aquädukt stehen dürfen, und Spezialgebäude mit Sonderfähigkeiten.

Als zweite Aktionsmöglichkeit gibt es die Produktion. Startet man seine Produktion, benötigt man dafür zwei Produktionspunkte – entweder vom Aktionswahl-Streifen oder zugekauft. Anschließend produzieren alle (!!) Gebäude des eigenen Viertels und man erhält den entsprechenden Ertrag.

Eine Runde endet, wenn alle am Tisch ihre Aktionen durchgeführt haben. Die Startspielerfigur wandert im Uhrzeigersinn einen Platz weiter und die nächste Runde startet. Es sei denn, es wurde zu Beginn der Runde eine der zuvor in den Stapel gelegten Wertungskarten aufgedeckt. Dann kommt es zu einer Zwischenwertung und der Spieler mit den meisten Einflusspunkten bekommt diese mitunter punkteträchtige Karte.

Nach der letzten Einflusswertung in Runde 14 endet das Spiel und es gewinnt der Römer mit dem prächtigsten Stadtplan.


Was an City of Rome gefallen hat

Der Aktionswahlmechanismus von City of Rome ist das Herzstück des Spiels. Denn das Timen der Aktionen und das Laufenlassen der Anderen um mehr Aktionsboni zu erhalten ist tatsächlich das, was City of Rome ausmacht. Stets muss man abwägen, ob man lieber früher als später dran sein möchte oder mehr Rohstoffe bzw. Aktionspunkte benötigt bzw., ob man sich den Zukauf von Aktionspunkten leisten kann.

Fast fertig meine City of Rome…

Auch die Grundregeln sind schnell erlernt und ich möchte behaupten, dass die meisten Menschen bei guter Erklärung das Spiel sofort verstehen werden. Zwar ist die Punkteregelung nicht immer ganz eingängig, die Regel bereitet aber alles so übersichtlich auf, dass es hier kaum Fragen geben dürfte.

Materialseitig ist alles auf Industriestandard und es gibt keinen Grund zur Klage. Positiv hervorzuheben ist das gut gemachte Tiefziehteil, das alle Komponenten gut aufbewahrt. Spätestens bei der ersten Erweiterung ist es aber auch wieder hinfällig. Trotzdem ein Fleißsternchen hierfür.

FUN FACT

Die beiden Autoren haben neben City of Rome in 2018 übrigens zwei weitere Spiele veröffentlicht.

Roll for Adventure erschien bei Kosmos und ist ein gänzlich anderes Spiel, bei dem man kooperativ Würfel dazu einsetzt Gefahren zu meistern und Monster zu bekämpfen.

Raids (Iello) ist ein schönes kleiens Familienspiel mit Wikinger-Thema, das leider etwas untergegangen ist, mir aber eigenltich ganz gut gefällt.


Was an City of Rome nicht gefallen hat

Seien wir mal ehrlich: Gerade Kaufentscheidungen für Familien- und Kennerspiele werden zu 80% (das ist eine Annahme von mir) über das Thema des Spiels und dessen Optik getätigt. Ergo sollte man als Verlag auch besonderes Augenmerk auf diese beiden Aspekte legen. Beim Thema machen wir mal einen Haken dran. Römer und deren ausschweifendes Leben in den Thermen gehen immer. Aber die Optik des Spiels ist derartig öde, dass es einem die Füße einschlafen lässt. Alles was auf der Packung versprochen wird, findet man im Spiel auf dem Tisch nicht wieder. Und das ist schade, hätte es sich doch angeboten so ein eingängiges Spiel mit einer niedlichen und für die angepeilte Zielgruppe gefälligen Optik auszustatten. So sieht das alles so nüchtern aus wie ein Bauantrag in Castrop-Rauxel. Mir ist schon klar, dass es bei dem Spiel um die Planung einer Stadt am Reißbrett geht, dennoch sind die Illustrationen der Gebäude einfach zu langweilig und un-emotional. Schade, etwas mehr Imperial Settlers in der Optik hätte hier gut getan und hätte das Spielgefühl sicherlich – vor allem für die angepeilte Zielgruppe – deutlich verbessert.

Dann hat City of Rome ein aus meiner Sicht mechanisches Problem: Zu viert und zu zweit funktioniert das Spiel gut. Vor allem sein Aktionswahlmechanismus ist ausgezeichnet, da in beiden Spielarten insgesamt vier Aktionswahlsteine auf dem Streifen eingesetzt werden. Es wird eng auf dem Aktionsstreifen. Zu dritt allerdings werden nur drei Steine eingesetzt, der Aktionswahlstreifen bleibt allerdings derselbe. Das führt unweigerlich zu mehr Raum auf selbigem. Da das Spiel aber genau von der Enge auf dem Streifen lebt, wird das Drei-Personen-Spiel aus meiner Sicht zu lasch.

Schlussendlich landet man gegen Spielende bei einem weiteren mechanisch vorgegebenen Problem. Durch die Vorgabe des 4×4 Rasters schränken sich die Möglichkeiten im Spielverlauf immer weiter ein. Je nach Spielverlauf kann es passieren, dass gegen Ende nur noch uninteressante Gebäude aufgedeckt werden, die man kaum sinnvoll einbauen kann. So hat man sich unter Umständen komplett verbaut und schaut nur noch zu wie die anderen Punkte machen. Sicherlich ist dies vor allem ein Problem der ersten Partien, aber dennoch gerade für Gelegenheitsspieler mitunter frustrierend.


Fazit zu City of Rome

City of Rome ist cleveres kleines Städtebauspiel, das vor allem durch seinen Aktionswahlmechanismus überzeugt. Schade, dass dieser zu dritt nur mäßig funktioniert. Schade auch, dass die Chance vertan wurde, das Spiel optisch so aufzuwerten, dass ein SimCity-Gefühl mit wuseligen kleinen Römern aufkommt. Handwerklich ist das Spiel sauber bearbeitet, aber es ist leider kein rundes und hervorragendes Gesamtergebnis geworden. Im Kern steckt da eine Menge Gutes drin. So steckt das Spiel aber im Mittelmaß fest und reiht sich ein in die große Masse, die um die Aufmerksamkeit der Kunden buhlt.


Links

Seite des Verlags Abacus Spiele
City of Rome bei Boardgamegeek

Vielen Dank an Abacus Spiele für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Januar 23rd, 2019 by